Flugsicherung in Europa ein Flickenteppich

Die Kontrolle des Luftraums über Europa gleicht historisch bedingt einem Flickenteppich. Jede nationale Flugsicherung arbeitet mit einer anderen Technik und nach anderen Verfahren. Mit erheblichen Koordinationskosten wird der europäische Luftraum heute von 38 nationalen Flugsicherungsinstitutionen gesichert: 64 Center zur Sicherung des oberen Luftraums und rund 400 Tower zur Sicherung von An- und Abflug. Diese Fragmentierung hat sowohl zu einer anhaltenden Kostenexplosion der Leistungserstellung als auch zu einem inakzeptablen Maß an Flugumwegen, Verspätungen und unnötigen Umweltbelastungen geführt. Europa benötigt bei einem annähernd gleich großen Luftraum wie die USA mehr als dreimal so viele Flugsicherungscenter und 20% mehr Fluglotsen für 40% weniger Flüge. Das Ergebnis: Die Produktivität der Fluglotsen beträgt in Europa weniger als die Hälfte der US-amerikanischen Kollegen und die Flugsicherungskosten sind in Europa doppelt so hoch wie in den USA.

Mit dem Ziel, die Strukturen der Luftraumverwaltung in Europa zu reformieren und neue Verfahren zur operativen Durchführung der Flugsicherung einzusetzen, hatte die EU-Kommission im Jahr 2004 ein Regelwerk zur Implementierung eines integrierten europäischen Luftraums geschaffen: dem „Single European Sky“ (SES).

Die Regulierungsvorgaben hierfür (SES 1 und SES 2) schafften u.a. die Voraussetzung für die Organisationsprivatisierung von Dienstleistern, die Festsetzung von nationalen Leistungszielen sowie die Errichtung von funktionalen Luftraumblöcken (FABs). Mit SES haben sich die Mitgliedstaaten einst zu Stückkostensenkungen und Leistungsverbesserungen verpflichtet. Heute ist hingegen zu befürchten, dass die Umsetzung von SES deutlich hinter den einst gesetzten Zielen zurückbleibt. Mit einem Scheitern von SES wären nicht nur die Ziele zur Kostensenkung bedroht, sondern auch alle an einer effizienteren Flugsicherung hängenden Ziele für die Sicherheit, den Umweltschutz und die Kapazitätserhöhungen.